Die Freiwilligkeit in der Mediation

Die Freiwilligkeit in der Mediation

Auszug aus einem Gespräch mit Prof.Dr.Glasl anlässlich seines Workshops an der Dresden International University am 30./31.10.2015 in Dresden

Marion Kenklies:

Herr Professor Dr. Glasl, bereits gestern in der Abendveranstaltung war zu sehen, dass Sie ein humorvoller, empathischer, fröhlicher Mensch sind. Dabei haben Sie praktisch Ihr gesamtes Arbeitsleben mit Konflikten zu tun gehabt.

Prof.Dr.Glasl:

Konflikte gehören zum menschlichen Leben dazu. Es ist spannend, auf die Hintergründe von Konflikten zu schauen und auf mögliche Lösungen. Für mich war es immer sehr befriedigend, auf beides zu blicken.

Marion Kenklies:

In Ihrem Workshop haben Sie uns einen Einblick in große Konflikte gegeben, zwischenstattliche, z.Teil bereits durch militärische Konflikte hocheskaliert. In solchen Situationen bekommt man die Verhandlungspartner nicht so einfach an einen Tisch. Wann beginnt für Sie Mediation?

Prof.Dr.Glasl:

Ich sage immer, für mich beginnt die Mediation mit dem ersten Anruf. Bereits dieses erste Gespräch legt den Grundstein zu einer wertschätzenden, fördernden Kommunikation. In zwischenstaatlichen Konflikten, genau wie in hoch eskalierten Konflikten liegt am Anfang einer Mediation das Hauptaugenmerk auf der Herstellung einer Gesprächsbereitschaft.

Marion Kenklies:

Verstehe ich das so, dass es darum geht: ´wenigstens mal hinhören, was der andere zu sagen hat…´?

Prof.Dr.Glasl:

Ja. Es geht um die grundsätzliche Bereitschaft. Für mich bedeutet Freiwilligkeit in der Mediation ´Willigkeit´. Mir reicht die Willigkeit aus. Es ist aus meiner Sicht nicht erforderlich, dass die Parteien sich auf den Mediationsprozess aus ganzem Herzen und in freien Stücken einlassen. Willigkeit bedeutet für mich, sich erst einmal dem Prozess zu stellen und zu prüfen, ob dieser passend ist.

Wenn der Chef im Arbeitskontext eine Mediation in Auftrag gibt, liegt sehr selten bei den betroffenen Arbeitnehmern richtige Freiwilligkeit vor. Diese stellen sich dem Verfahren, weil sie Angst vor arbeitsrechtlichen Konsequenzen haben.

Marion Kenklies:

Ist das aus Ihrer Sicht vergleichbar mit einem Schlichtungsverfahren, bei dem die Parteien rechtlich gezwungen sind, teilzunehmen? In Deutschland gibt es Bundesländer mit Schiedsstellengesetzen, bei denen den Parteien sogar ein Ordnungsgeld auferlegt werden kann, wenn sie zur Schlichtung nicht erscheinen und sich nicht entschuldigt haben. Wer unter Strafandrohung kommen muss, der ist nicht wirklich freiwillig da.

Prof.Dr.Glasl:

Ja. Das ist sehr vergleichbar. Wenn die Menschen, die gezwungenermaßen zur Schiedsstelle kommen, so für das Verfahren aufgeschlossen werden, dass die Bereitschaft besteht, sich wenigstens anzuhören, was der andere sagt, dann liegt für mich Willigkeit im Sinne von Freiwilligkeit vor. Insofern ist für mich auch ein Verfahren vor der Schiedsstelle eine Mediation, sofern die Mediationsregelungen eingehalten werden.

Marion Kenklies:

Herr Professor Dr. Glasl, ich danke Ihnen das Gespräch.

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