Ein Herzenswunsch wird wahr .

Als Richterin gab es für mich Momente, in denen ich mich vor meiner Arbeit gefürchtet habe. Ich wußte, wie wichtig eine möglichst genaue ermittlungsrichterliche Vernehmung ist. Gleichzeitig war mir klar, dass das Kind, das mir in der Vernehmung gegenüber sitzen wird, durch den sexuellen Missbrauch hoch traumatisiert ist. Und eines wollte ich auf gar keinen Fall, die Traumatisierung verstärken. 

Und wie oft habe ich nach den Vernehmungen gedacht, dass diese Tat im Vorfeld hätte verhindert werden können. Wenn es doch nur etwas gäbe, unsere Kinder vor so etwas besser zu schützen. Damit sie nicht ihr Leben lang an den Folgen solcher Taten leiden.

Als “Eltern” vorbeugen

Meine beiden Jungs habe ich früh über Gefahren aufgeklärt und Gefahrensituationen besprochen. Das fing mit kleinen Sachen an: Was tun, wenn Du Dich verläufst? Wen sprichst Du an? Mein Großer sprach sehr schlecht. Sein Name war kaum zu verstehen. Also habe ich ihm beigebracht zu sagen, dass sein Papa Staatsanwalt ist und seine Mama Richterin. In der Kombination war es dann verständlich. Schritt für Schritt haben wir dann auch über andere Gefahrensituationen gesprochen.

Die verstärkende Wirkung Dritter

Mir war dabei immer klar, dass Kinder sehr schnell begreifen, dass ihre Eltern bei der Erziehung Intensionen haben. Die Intension “Angst um mich” können sie von weitem gegen den Wind riechen. Ältere Kinder bringen das dann direkt auf den Punkt, wenn sie sagen: “Ach, die haben doch nur Angst um mich” und mit dieser Begründung Warnungen ausschlagen. Deshalb ist es so wichtig, dass Aufklärung über Gefahren (zusätzlich) von unbeteiligten Erwachsenen erfolgt. Dann wird aus der subjektiven Gefahr eine objektive, die ganz anders ernst genommen wird.